Der Modellversuch verzeichnete zahlreiche positive Ergebnisse und hat empirisch nachgewiesen, dass eine fundierte, qualifizierte Musikerziehung in den letzten beiden Jahren vor der Einschulung den Entwicklungsprozess des Kindes nachhaltig positiv beeinflussen und im Ergebnis signifikant die Schulreife der Kinder fördern und stärken kann.
Ein ganz konkretes Ergebnis sind die Eingaben in die Endfassung des Orientierungsplans für Bildung und Erziehung an baden-württembergischen Kindergärten und Kindertagesstätten. Ein Bericht des Projektleiters auf der Basis erster Erfahrungen über die didaktische Umsetzung pädagogischer Grundprinzipien durch aktives Musizieren und dessen umfassende Einbindungsmöglichkeit in dessen Bildungs- und Erziehungsfelder an das Kultusministerium führte dazu, dass im Rahmen der Entwicklung des Orientierungsplans eine Arbeitsgruppe für den Bereich Musik Vorschläge erarbeitete, die die Rolle und Möglichkeiten der Musik und der Musikschulen als den Bildungsträgern mit der größten Erfahrung im vorschulischen (musikalischen) Bereich stärker und auch deutlicher profilieren können. Eine ganze Reihe dieser – zumeist kurz gehaltenen – Eingaben sind in die Endfassung des Orientierungsplans aufgenommen worden.
Die bereits sehr frühzeitig erkennbaren positiven Erfahrungen
hinsichtlich der Verträglichkeit des musikalischen Ansatzes mit dem
Orientierungsplan bestätigten sich im Laufe des weiteren
Projektablaufs in vollem Umfang. Der Modellversuch zeigte sehr
deutlich, dass Musik sich hervorragend zum Individualisieren und zur
kompensatorischen Arbeit eignet. Dem einzelnen Kind kann im Rahmen
der Gruppe auf differenzierte Weise und damit angemessen begegnet
werden.
Gleichermaßen kann Musik in allen sechs im Orientierungsplan
genannten zentralen Bildungsfeldern wirksam werden, ohne dass damit
auch nur ansatzweise ein Absolutheitsanspruch verbunden zu sein
braucht. Im Bildungsfeld 1 (Körper) fördert sie durch eine
musikalisch intendierte differenzierte Bewegung in hohem Maße die
Entwicklung des Körpergefühls. Bezogen auf das Bildungsfeld 2
(Sinne) schärft sie die Wahrnehmungsfähigkeit in den Bereichen
Hören, Sehen, Beobachten und Fühlen als Grundlage für kreatives
Handeln. Im Bildungsfeld 3 (Sprache) stärkt sie, neben ihrer
sprachbildenden Fähigkeit an sich, die nonverbalen Momente wie
Mimik, Gestik, Sprachmelodie sowie den emotionalen Gehalt von
Sprache. Beim Bildungsfeld 4 (Denken) begünstigt sie die Ausbildung
von Fantasie und Kreativität als wichtige Fundamente und Komponenten
für das Denken. Im Bildungsfeld 6 (Gefühl, Mitgefühl) wird sie der
Tatsache gerecht, dass jedes Handeln von Emotionen begleitet ist und
Empathie erfordert. Emotion und Empathie ist das Schlagwort für
Musik schlechthin. Wenn Musik als Sprache der Seele bezeichnet wird,
so hat sie hier einen wichtigen Platz. Im Bildungsfeld 7 (Sinn,
Werte, Religion) schließlich fördert das gemeinsame Muszieren
beispielsweise die Wertschätzung des Gegenübers.

Allerdings kommen, und auch dies hat sich sehr deutlich gezeigt, die bildungsfördernden Momente durch eine aktive musikalische Betätigung erst durch die Einbindung einer musikpädagogischen Fachkraft, verbunden mit der Vertiefungsarbeit unter der Woche, umfassend zur Geltung. Insofern sind Tandemlösungen zwischen Musikschullehrkräften und Erzieherinnen eine effiziente und auch ideale Lösung.
In Ergänzung dessen und überhaupt haben sich während des Projektverlaufs eine ganze Reihe grundlegender und spezifischer Aspekte herauskristallisiert, die die bildende Kraft der Musik gerade im vorschulischen Bereich und im Übergang zur Grundschule wesentlich ausmachen und als besonders wertvoll und effizient erscheinen lassen. So bewirkt Musik, wie immer wieder zurückgemeldet wurde, durchweg eine positive Gestimmtheit und eine ebensolche Gruppenatmosphäre mit einer hohen Aufnahmebereitschaft im Gefolge. Durch Musik können darüber hinaus die Bildungs- und Erziehungsinhalte weitgehend spielerisch vermittelt werden. Indem diese in ein verfremdendes Medium, in eine Art Rollenspiel, eingebunden sind, werden sie der unmittelbaren Realität entzogen und auf eine Art Meta-Ebene transportiert. Dies baut im hohen Maße vorhandene Hemmschwellen ab, so dass die Persönlichkeitsbildung für das einzelne Kind und aus dessen Sicht fast unmerklich und unvoreingenommen geschehen kann. Schließlich und endlich bildet die Musik als Ausdruck emotionaler Vorgänge das Pendant zum kognitiven Bereich, was im Sinne einer ganzheitlichen Entwicklung zu einer ausgeprägten und überzeugenden, weil authentischen Ausdrucksfähigkeit führt.
Die nachfolgend beschriebenen Erfahrungen und Ergebnisse, die
konkreter auf den Ablauf des Modellversuchs vor Ort eingehen,
basieren ebenso, wie die sich anschließenden Aussagen zu der
Persönlichkeitsentwicklung der Kinder, auf den umfangreichen
Rückmeldungen der Beobachtungen und Erfahrungen seitens der
Musikschullehrkräfte und Erzieherinnen. Gleich zu Beginn lässt sich
hierbei allerdings festhalten: Über die gesamte Projektphase hinweg
waren diese Rückmeldungen fast durchweg positiv und zu einem guten
Teil auch sehr detailliert. Die Kinder waren von den Musikstunden
stets sehr angetan, so dass sie die erfahrenen Inhalte (Rituale,
Lieder, Tänze, Sprechverse) nicht nur aufnahmen, sondern selbst
immer wieder reproduzierten. Es wird auch berichtet, dass die
Projektkinder motiviert und stolz darauf waren, „den Jüngeren ihr
neu Erlerntes wiederzugeben, vorzuführen oder zum Mitmachen zu
animieren“(Aussage einer Erzieherin).
All dies führte nicht selten zu einer breiten Streuung über die
Gruppe hinaus und zuweilen zu einer merklichen Musikalisierung des
gesamten Kindergartens bis hin zu weiterführenden und vertiefenden
Projekten, die aus den Musikstunden heraus entstanden sind.
Darüber hinaus konnte trotz der vielfältig vorhandenen und in der Summe sehr unterschiedlichen Denk- und Handlungsansätze mit den entsprechenden speziellen organisatorischen Strukturen für jeden Kindergarten eine Lösung für die sinnvolle Einbindung der Musikstunden gefunden werden. Grundsätzlich nicht in Frage gestellt werden durften allerdings die wöchentliche Durchführung, die Beibehaltung der Altershomogenität sowie die Verpflichtung der Kinder zu einer regelmäßigen Teilnahme.
Auch die Vertiefungsarbeit durch die Erzieherin hat sich als sehr wertvoll erwiesen. Diese förderte bei den Kindern die Festigung der in den Musikstunden vermittelten Inhalte und führte, damit unmittelbar in Zusammenhang stehend, zu einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess, der sowohl die Kinder selbst als auch die Gruppe betraf.
Im Hinblick auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder in Richtung Schulfähigkeit verdichten sich die Beobachtungen auf einige wesentliche und grundsätzliche Aussagen. Dazu gehören zunächst die vielfach zurückgemeldeten Verhaltensweisen, die als Belege für ein gestärktes Selbstbewusstsein dienen können. Die Bereitschaft etwa, sich den anderen Kindern unvoreingenommen zu öffnen und sich vor und in der Gruppe darzustellen, ist in einem ungewöhnlichen Ausmaß gestiegen. Zurückhaltende Kinder wurden auffallend aktiv, aktive Kinder lernten dagegen, verstärkt Rücksicht zu nehmen, und verhielten sich insgesamt disziplinierter. Anfänglich sehr ruhige und eher schüchterne Kinder übernahmen allmählich auffallend oft und gern Führungsaufgaben. Diese Beobachtungen stehen in enger Wechselwirkung mit der Entwicklung der Gruppe. Schon bald nach Projektbeginn konnte ein ungewöhnlich diszipliniertes Verhalten der gesamten Gruppe und eine ungewöhnliche Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit beobachtet werden. Eine wichtige Grundlage hierfür ist sicherlich die durchweg gute allgemeine Stimmung und die große Freude, die sich durch das Musizieren bei den Kindern einstellt. Dieses Ambiente begünstigt die Aufnahmebereitschaft und wirkt sich motivierend auf das eigene Handeln aus. Dass sich darüber hinaus große gegenseitige Rücksichtnahme und Achtung des anderen sowie ein großer Zusammenhalt innerhalb der Gruppe verbreiteten, ergibt sich ebenfalls zwingend aus dem zuvor Gesagten.

Ein in diesem Ausmaß von den meisten nicht erwartetes Ergebnis ist die ungewöhnlich gute Entwicklung im Sprachverhalten und bei der Sprachfähigkeit, insbesondere bei den schwächeren Kindern. Hier vermag Musik offensichtlich besonders viel zu bewirken, indem sie zunächst die Sprache, beispielsweise im Lied sowie bei den musikalischen Sprachversen, rhythmisiert, ordnet und kanalisiert. Dies begünstigt den Abbau von Sprachhemmungen, befördert die ungezwungene Artikulation und das freie Sprechen innerhalb der Gruppe und führt dann insgesamt zu einer Erweiterung des Sprachschatzes.
Die folgende Aussage einer Erzieherin bringt einen weiteren Beleg für den Erfolg des Projektes von außerhalb: „Regelmäßige Lehrerbesuche der Kooperationsschule bestätigen uns, dass sie (die Lehrer) beobachten konnten, wie konzentriert, wie sprachgewandt und ausdrucksvoll, aber auch im motorischen Bereich sicher sie (die Kinder) auftraten“. Wenn dem so ist, wäre diesen Aussagen im Hinblick auf den Reifeprozess, den das Projekt bewirken konnte, kaum noch etwas hinzuzufügen.